Text zur Kunst-Ausstellung Luftschloss, Dezember 2009

 

 

 

Die grossen Zeiten der Schweiz sind vorbei, die Luft ist raus. Beim helvetischen Luftschloss wurde der Stöpsel des Ventils gezogen, verlegt und nicht wiedergefunden. Die einst so wunderschöne Illusion einer völlig unabhängigen Schweiz, dem Rechtsstaat par excellence, wo die Menschen gleicher sind als sonst irgendwo, sinkt in sich zusammen. Aus ist der Traum vom idyllischen Heimetli, wo Milch und Schoggi fliessen, die Menschen in Eintracht auf dem Rütli fahnenschwingend das Land ihrer Väter feiern und reiche Leute gerne ihr Geld hinbringen. Vorbei auch die Zeit, in der die Schweiz in der Welt entweder nicht wahrgenommen oder mit Respekt und Ehrfurcht behandelt wurde. Heute kennt jeder Weltbürger die Schweiz als Aushängeschild des exklusiven Clubs der Steuerparadiese; als den schwarzen Peter des globalen Finanzplatzes. Und ein wirklich jeder Muslim weltweit kennt die Schweiz als das Land, wo der Islam mittlerweile geächteter ist als in den USA.

 

Der gerechteste Staat der Welt wird auf die Bühne der internationalen Juristerei gezerrt, wobei das globale Rampenlicht nichts als Unfähigkeit und Lächerlichkeit zu Tage fördert.

 

Das Traumgebilde unseres Musterstaates hat sich verflüchtigt und es wird wohl nicht so schnell ein Neues geben, in welches wir uns flüchten könnten. Wir sind also auf uns allein gestellt. Da wir aber nicht zu den Ratten gehören, die besonders gut schwimmen können, entscheiden wir uns, vorerst auf diesem sinkenden Schiff zu verharren. Um es unter diesen Umständen hier auszuhalten, brauchen wir allerdings einen Anreiz. Also gestalten wir unsere eigene, private Illusion: Wir bauen uns ein Luftschloss.

 

Luftschlösser sind das Schönste, das man überhaupt bauen kann. Frei von jeglichen Einschränkungen des Alltags der eigenen Intuition zu folgen, der Phantasie freien Lauf und sich selbst einfach treiben zu lassen. Von einer Idee, einem Gegenstand oder einem Ort auszugehen, die Inspiration auszukosten, ihr zu folgen. Einen Gedanken weiterzuspinnen nur um zu sehen, was passiert, was dabei herauskommt. Ohne vorher zu wissen, wo der Weg hinführt. Eine Beschäftigung, welcher man für gewöhnlich viel zu wenig Zeit widmet.